Wertschätzung am Arbeitsplatz erlebbar machen

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Wertschätzung ist ein Grundbedürfnis, zumindest darin sind sich alle ExpertInnen einig. Wie aber ist es aktuell in unserer modernen Arbeitswelt damit bestellt?

Das Online-Portal Monster fragte global bei deren registrierten NutzerInnen nach, ob man sich am Arbeitsplatz wertgeschätzt fühle. 21 Prozent der Befragten gaben an oft wertgeschätzt zu werden, 40 Prozent manchmal und 39 Prozent nie. Prof. Dr. Norbert K. Semmer und Dr. Nicolas Jacobshagen forschen an der Universität Bern zu dem Thema und konnten bestätigen, dass Wertschätzung durch Vorgesetzte und KollegInnen mit höherer Arbeitszufriedenheit und weniger negativen Gefühlen einhergeht. Lange Arbeitszeiten führen zu geringerer Zufriedenheit, allerdings nur bei geringer und nicht bei hoher Wertschätzung.

Die Wertschätzung MitarbeiterInnen gegenüber auszudrücken muss nicht immer mit monetären Zuwendungen verbunden sein. Im Arbeitsalltag lässt sich Wertschätzung auf vielfache Art zeigen und umsetzen. Jemanden für seine Arbeit und sein Engagement Anerkennung und Dank auszusprechen ist eine ganz zentrale Möglichkeit, um Wertschätzung auszudrücken. Das kann in Form eines Gespräches zwischen Führungskraft und Teammitglied erfolgen, aber auch zwischen KollegInnen oder von MitarbeiterIn an Vorgesetzten gerichtet sein. Wertschätzung kann sich auch darin äußern, eine interessante und herausfordernde Arbeit übertragen zu bekommen, weil der Vorgesetzte Vertrauen in die Fähigkeiten der Person hat. Eine Belohnung - wie ein Bonus, ein Geschenk-Gutschein oder eine kleine Überraschung wie eine Blume oder Schokolade - sind ebenfalls ein Zeichen der Wertschätzung.

Oft sind es kleine Gesten im Alltag, die aber große Wirkung haben. Jemandem zum Geburtstag oder einem anderen besonderen Tag zu gratulieren oder eine besonders nette und individuelle E-Mail-Grußform zeigen: Ich nehme mir Zeit für dich, du bist mir wichtig. Auch die Umgangsformen miteinander sind Ausdruck von Wertschätzung, lässt man den anderen zum Beispiel ausreden. Hört man richtig zu oder schreibt man nebenbei eine Nachricht auf dem Mobiltelefon. Spricht man bei Meetings oder Präsentationen klar aus, von welchem Mitarbeiter oder welchen Kollegen eine Idee stammt oder wer den größten Teil der Arbeit in einem Projekt geleistet hat.

Abgesehen von der sehr wichtigen, zwischenmenschlichen Interaktion am Arbeitsplatz, können ArbeitgeberInnen auch durch andere Maßnahmen ihren MitarbeiterInnen gegenüber zeigen, wie sie diese wertschätzen. Für jeden Arbeitnehmer stellt die Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Privatleben in gewisser Form eine Herausforderung dar, abhängig von der aktuellen Lebenssituation und in unterschiedlicher Ausprägung. Alleinerziehende Eltern mit kleinen Kindern oder pflegende Angehörige stehen da ganz oben auf der Herausforderungs-Skala. Aber auch alle anderen haben das Bedürfnis, ihr privates, soziales Netzwerk zu pflegen und persönlichen Interessen wie Hobbies, Weiterbildung oder ehrenamtlichen Tätigkeiten nachzukommen. Als ArbeitgeberIn dafür grundsätzlich Verständnis zu haben und dies auch zu bekunden gehört zu den Basics. Die Schaffung von Angeboten, die MitarbeiterInnen dabei unterstützen, sind wohl einer der kräftigsten Ausdrucksformen für Wertschätzung und haben sich zu ganz essenziellen Differenzierungsfaktoren hinsichtlich der Attraktivität von Arbeitgebern entwickelt.

Und hier gibt es eine sehr große Bandbreite. Beispiele sind flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit aus dem Homeoffice heraus zu arbeiten, eine Kinderbetreuung am Arbeitsplatz oder auch das Mitarbeiter-Restaurant am Arbeitsplatz. Dabei muss ganz individuell betrachtet werden, welche Maßnahmen tatsächlich am hilfreichsten und unterstützendsten für die MitarbeiterInnen sind. Das wiederum hängt von unterschiedlichen Faktoren wie beispielsweise der Branche und geografischen Lage des Unternehmens, den primären Arbeitsprozessen vor Ort oder von der Generationenmischung ab.

Wertschätzung hat neben Respekt, Wohlwollen, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit sehr viel mit Interesse an dem Gegenüber zu tun. Das gilt auch in der Beziehung zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen. Interesse zu haben bedeutet, sich mit dem Gegenüber intensiv auseinanderzusetzen, um Bedürfnisse, Wünsche oder auch Ängste zu verstehen und dann entsprechende unterstützende Maßnahmen durchzuführen. Leider kommt das in vielen Unternehmen immer noch zu kurz. Statt einer gründlichen, vorangehenden Analyse der Nutzergruppen und deren individuellen Bedürfnisse wird oft schnell aktionistisch behandelt. Damit beginnt dann ein nicht sehr optimaler Kreislauf: Das Angebot trifft bei den MitarbeiterInnen auf keine Nachfrage. Das wiederum führt
zu Missinterpretationen bei den ArbeitgeberInnen mit dem Resultat, keine weiteren Maßnahmen mehr zu entwickeln bzw. anzubieten.

Guide: Mitarbeiter Engagement

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